Anfang
August fand in Rio de Janeiro im Hotel
Novo Mundo ein "Nationales Seminar" unter dem
Titel "Metropolen - zwischen Kohäsion und Fragmentierung, Kooperation und
Konflikt" statt. An fünf Tagen diskutierten brasilianische
WissenschaftlerInnen und AktivistInnen aus NGO Ergebnisse eines seit vier Jahren
andauernden Forschungsprojektes, das sich mit den verschieden Aspekten der
Entwicklung der brasilianischen Metropolen beschäftigt. Immerhin leben 51
Prozent der brasilianischen Bevölkerung in Kommunen mit mehr als 100.000
Einwohnern (das sind 4,1 Prozent der brasilianischen Kommunen). Allein Sao Paulo hat 17 Mio., Rio de Janeiro 11 Mio. EinwohnerInnen.
Die Konferenz wurde maßgeblich von einer Partnerorganisation der
Rosa-Luxemburg-Stiftung in Brasilien, FASE, mitgestaltet und organisiert.
An dem auf der Konferenz diskutierten Prozess sind heute Universitäten, die erwähnte FASE und weitere Arbeitszusammenhänge von AktivistInnen in den Metropolen, auch aus Verwaltungen, beteiligt. Finanziert wird die Arbeit aus verschiedenen staatlichen, regionalen und anderen Quellen. Rückgrat des Projektes sind die "sozialen Observatorien". Seit den achtziger Jahren sind diese auf dem Feld der Beobachtung von Tendenzen der sozialen Entwicklung und der Entwicklung von Alternativen aktiv. Ziel ist es, mit den Ergebnissen auf das Leben in den Metropolen tatsächlich Einfluss zu nehmen. Die enge Kooperation mit den Universitäten gibt dem Projekt die Möglichkeit, Forschung und Analyse mit der Ausbildung von StudentInnen und DoktorandInnen sowie von BeraterInnen bzw. Beiräten für die kommunalen Verwaltungen zu verbinden. Damit sollen das Prinzip der Verbindung von Wissenschaft und sozialer Intervention verwirklicht und gleichzeitig die Möglichkeiten, die die brasilianische Verfassung für die Beteiligung von BürgerInnen an Verwaltungshandeln bietet, überhaupt und dann mit hoher Wirksamkeit genutzt werden. Das inzwischen entstandene Netzwerk zur Begleitung der Entwicklung von Metropolen umfasst neben PartnerInnen in den brasilianischen Städten, wie Sao Paulo, Rio de Janeiro, Recife, Belem, Belo Horizonte, Curitiba, Porto Alegre u.a. auch solche in Santiago de Chile und in Mexiko-Stadt. Das Netzwerk soll zunehmend auch internationalen Charakter erhalten.
Dieses nationale Seminar war durch eine große Zahl von Vorträgen geprägt. Die sozialen Observatorien der brasilianischen Metropolen hatten die Möglichkeit, ihre Arbeitsergebnisse vorzustellen. Es handelte sich in den allermeisten Fällen um echte Forschungsberichte, so dass die Veranstaltungen, wie auch vorgesehen, einen breiten vergleichenden Überblick über wesentliche Parameter der sozialen und Umweltsituation in Brasilien gab. Wichtiges Merkmal der Berichte ist, dass sie einem einheitlichen methodischen Ansatz und Herangehen folgen, so dass die Daten miteinander vergleichbar sind und damit eine verlässliche Grundlage für die Entwicklung allgemeiner wie auch spezifischer gesellschaftlicher Interventionsstrategien geben. Als Ausgangspunkt vereinbarten die WissenschaftlerInnen die Betrachtung der Bevölkerung unter dem Gesichtspunkt der jeweiligen Stellung im Produktionsprozess, so dass die Analyse der sozialen und Umweltsituation nach jeweils 10 Gruppierungen erfolgte.
Insgesamt
lässt sich sagen, dass die Ergebnisse allgemeine Tendenzen der in der
Diskussion um Metropolen und ihre Probleme in den vergangenen Jahrzehnten
weltweit gewonnenen Erkenntnisse bestätigten. Der Zugang zu sozialen Leitungen
und zu einer ökologischen Standards entsprechenden Versorgung etwa mit Wasser
(einem der zentralen Probleme der Metropolen) richtet sich vor allem nach der
mit der Stellung in der Hierarchie der gesellschaftlichen Reproduktion
verbundenen Einkommen. Die letzten Jahre waren auch in Brasilien durch einen
Abbau von Arbeitsplätzen in der klassischen Industrie und der Ausweitung der
Beschäftigung im Dienstleistungssektor bei gleichzeitiger Zunahme prekärer
Formen von Beschäftigung gekennzeichnet.
Was
dieses Seminar auszeichnete, war die deutliche Orientierung auf die Nutzung der
Forschungsergebnisse für soziale und politische Intervention. Es ging nicht um
einen akademischen Diskurs als solchen, sondern um einen akademischen Diskurs,
der direkt Konsequenzen für die soziale und politische Praxis haben soll.
Einleitend
stellte der Direktor von FASE fest, dass durch die im Rahmen der Konferenz
vorgestellten Projekte, die in enger Kooperation mit Universitäten realisiert
wurden, eine Krise überwunden werden konnte: es konnte begonnen werden, den
Bruch zwischen Theorie und Analyse auf der einen Seite und dem täglichen
politischen Kampf auf der anderen zu schließen. Ein anderer Redner wies im
gleichen Zusammenhang darauf hin, dass es von Seiten der Politik nur geringes
Interesse an der vergleichenden Analyse der Metropolenentwicklung gibt,
allerdings ein großes gesellschaftliches Interesse daran existiert. Der
Direktor von IPPUR, einer der Trägerorganisationen der Veranstaltung, Carlos
Vainer, hob hervor, dass es um die Schaffung einer Gegenströmung zu einer
technokratischen Sichtweise auf die Behandlung der Folgen der
Metropolenentwicklung wie auch auf diese Entwicklung selbst geht. Auch Luiz
Ribeiro (IPPUR) betonte diesen Gesichtspunkt; es werde meist versucht, Lösungen
für Probleme der Metropolenentwicklung ohne Einbeziehung der Betroffenen zu
finden. Zwar verschärften sich in Folge der Globalisierung die Probleme der
Metropolen (unter der Überschrift "Unregierbarkeit der Metropolen"),
es sei aber auch die Frage zu beantworten, ob sich in diesem Zusammenhang nicht
auch neue Strukturen politischer Akteure als Gegenpole zu den negativen
Globalisierungsfolgen entwickeln. Die Globalisierungsprozesse schaffen nicht nur
neue, sondern z.T. auch bessere Bedingungen bzw. Möglichkeiten zur
Selbstorganisation und Organisation, zur Intensivierung sozialer Beziehungen und
zu intellektuellem Austausch. Der soziale Zusammenschluss wird als Gegentendenz
zu fragmentierenden Prozessen selbst zu einer Bedingung der Konkurrenzfähigkeit
der Metropolen wie auch von Regionen überhaupt. Carlos de Mattos aus Chile
verwies darauf, dass unter diesem Gesichtspunkt die Globalisierung keine
eindeutige Entwicklungsrichtung alternativlos vorherbestimmt. Wie ist aber kann
darauf Einfluss genommen werden, diese Seite der Konkurrenzfähigkeit mit einer
sozial und ökologisch nachhaltigen Entwicklung zu verbinden? Wie ist die
Forderung, das Thema Armut die Gesamtpolitik durchziehen zu lassen,
realisierbar? Leider sind die Verwaltungen oft nicht interessiert bzw. in der
Lage, diese und andere neue Probleme anzugehen. Aber auch die von
Segregationstendenzen Betroffenen akzeptieren diese Diskriminierung als etwas
geschichtlich eben gegebenes, unveränderliches.
Vor
diesem Hintergrund erklärt sich das ehrgeizige Ziel des Projektes, in den
untersuchten Metropolen alle sozialen Räume sowie alle Faktoren und
Erscheinungsweisen der im Kontext der Globalisierung ablaufenden
Umstrukturierung der gesellschaftlichen Produktion (Ribeiro) in die Analyse
einzubeziehen
In
seinem Einführungsvortrag ging Ribeiro auch auf eine Reihe von Bedingungen ein,
von denen aus der Erfahrung der Observatorien heraus ausgegangen werden muss. So
müssen Probleme von den sozialen Akteuren erst einmal als Probleme erkannt
werden, bevor an eine Weiter- bzw. Ausbildung gedacht werden kann. Wenn die
Probleme erkannt sind, stellt sich die Frage, inwieweit die Akteure ein gleiches
"kulturelles Modell" teilen und welche unterschiedlichen
geschichtlichen Erfahrungen ihre Reaktionen auf die gleichen Krisenerscheinungen
prägen. Es gehe um eine neue bürgerschaftliche Kultur und um eine neue Kultur
der Kooperation. Dem stehe entgegen, dass die Unterschichten immer weiter aus
den städtischen Machtstrukturen verdrängt werden und die höhere Mittelklasse
sich zunehmend als Verbindung von Wirtschaft und Politik konstituiert, diese
Politik bestimmt und sich aber gleichzeitig immer mehr aus dem öffentlichen
Leben, besser dem öffentlichen Raum, in eigene, abgeschirmte soziale Räume
("Autosegregation") zurückziehe. Oftmals ist das Phänomen zu finden,
dass die räumliche Nähe zwischen den verschiedenen sozialen Schichten groß,
die soziale Distanz aber um so größer ist.
Auf
der anderen Seite hoben verschiedene RednerInnen neue Ansätze hervor, so z.B.
das Beginnen des Zusammengehens von Umwelt- und sozialen Bewegungen im
Zusammenhang mit den Auseinandersetzungen um die Wasser- und Abwasserfrage. In
den genannten Fragen, wie auch in den Einzelanalysen zu Familiensituation,
Mobilität, Wohnungspolitik, zum Zugang zu Wasserressourcen usw. lassen sich
viele Parallelen zwischen Prozessen in Brasilien wie auch in Europa und
Deutschland feststellen.
Angesichts
der in Deutschland anhaltenden Diskussion um die Zukunft des öffentlichen
Dienstes soll auf die in diesem Zusammenhang interessanten Ansätze der
Diskussion auf der Veranstaltung eingegangen werden.
Eine
interessante These bezog sich darauf, dass die Rolle der Verwaltung und ihre
Potenziale bei der Reaktion auf neue Probleme und dabei vor allem die aus der
Verbesserung der Kooperation innerhalb der Verwaltung unterschätzt werden. Die
Dezentralisierung und der damit verbundene Verwaltungsabbau sei zu einem Vehikel
der Privatisierung geworden. Im Zusammenhang mit der Analyse der Entsorgung
wurde darauf verwiesen, dass gerade in solchen Fragen eine übergreifende und
transparente, integrierte und dabei einer starken demokratischen Kontrolle
unterworfenen Verwaltung aller Stoffflüsse wie auch der in diesem Zusammenhang
erforderlichen Investitionen dringend nötig sei. Die Demokratisierung der
Informationen über die "Müllbewegung", die Demokratisierung von
Genehmigungsverfahren und die Schaffung von Bedingungen eines wirklich
umfassenden Zugangs der gesamten Bevölkerung zu den öffentlichen Leistungen
wurden in diesem Zusammenhang hervorgehoben. Dahinter steht die Erfahrung, dass das bloße Vorhandensein von Wasserleitungen etwa noch nicht bedeutet, dass auch
Wasser da ist - bzw. das bereitgestellte Wasser die Qualitätsanforderungen erfüllt.
Vielmehr gäbe es eine Tendenz, marginalisierten Schichten Leistungen minderer
Qualität anzubieten.
Eine
weitere Frage betraf das Problem, wie ein Gleichgewicht zwischen den lokalen und
den übergreifenden Interessen in der Verwaltung gefunden werden könnte. Es
gehe um die Durchsetzung einer politisch geprägten Planung, die allen
regionalen Akteuren Raum zur Artikulation ihrer Interessen gibt. Es müssten in
diesem Zusammenhang in der Region ein transparentes Forum für alle Akteure
geschaffen werden. Schließlich wurde auch die Inkongruenz von Aufgabenzuweisung
und dafür bereitgestellten Mitteln verwiesen.
Es
zeigte sich, dass die Frage der Demokratisierung der politischen und der in der
Verwaltung ablaufenden Entscheidungsprozesse ein übergreifendes Moment der
Diskussion war. Explizit war dies dann Thema der Nachmittagsdiskussion am
vierten der fünf Konferenztage.
Bezugspunkt
waren die kommunalen Beiräte. Diese Organe entstanden im Zusammenhang mit der
brasilianischen Verfassung von 1988. Im Zuge der Bestrebungen zur
Dezentralisierung der Verwaltung (als Reaktion auf die hohe Zentralisierung in
der Zeit der Militärdiktaturen) wurde den Kommunen die Möglichkeit eingeräumt,
neben den klassischen exekutiven und legislativen Organen auch Beiräte zu
schaffen, die diese Organe beraten sollten. Sie haben die Aufgabe,
Verwaltungsentscheidungen zu begleiten, ohne dass sie Teil der Exekutive sind.
Nach der Annahme der Verfassung wurde in einer Reihe von Bundesgesetzen
festgelegt, dass auf bestimmten Gebieten, so z.B. Gesundheit und Bildung, die Tätigkeit
eines solchen Beirates die Gewährung von Mitteln aus bestimmten staatlichen
Fonds erlaubt. Darüber hinaus können die Kommunen weitere Beiräte bilden,
ohne dass dahinter zusätzliche staatliche Mittel stehen.
Die
Beiräte können auf verschiedenerlei Art entstehen - durch Berufung, etwa durch
den Präfekten, oder durch die Wahl der Mitglieder im Rahmen von
Einwohnerversammlungen. So arbeiten in ihnen VertreterInnen von Regierungen bzw.
Verwaltungen, von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften, Berufsverbänden und
NGO's mit. Allerdings ist die Mitgliedschaft in diesem Beirat auch an bestimmte
persönliche Voraussetzungen gebunden, die nach Aussage einer der Studien
durchaus den Zugang gerade für marginalisierte Schichten erschweren. Ihrer
Entstehung wie auch ihren Kompetenzen und ihrer Arbeitsweise sind sie nicht als
Räte im historisch-politischen Sinne, sondern eher als Foren zu betrachten.
Die
in ihrer Entstehung manifeste enge Bindung an Gesetze und an die staatliche
Macht schränkt ihre Wirksamkeit, so das Ergebnis der Analyse, in verschiedener
Hinsicht ein. Dies betrifft nicht nur eine gewisse Diskreditierung (sie sind
eben nicht Ergebnis eines lokalen Projektes), sondern auch eine Tendenz zur
Integration dieser Beiräte in die klassischen Machtstrukturen, in
Beziehungen des Klientelismus und die in diesen Fällen typischen Bindungen.
Diesen negativen Gesichtspunkt zeigte vor allem die Analyse aus Belem, in der
die Beziehungen in den Kommunen stark durch die tradierte Herrschaft des
oligarchischen Großgrundbesitzes geprägt sind.
Weitere
Probleme sind z.B. die Qualität der durch die Verwaltung bereitgestellten
Informationen, die z.T. geringen Möglichkeiten, gefasste Beschlüsse (die
Empfehlungscharakter tragen) zu begleiten und geringe Möglichkeiten für eine
Arbeit in der Öffentlichkeit. Die Ignoranz der Verwaltung gegenüber den Voten
der Beiräte wurde in mehreren Untersuchungsgebieten konstatiert. Dies betrifft
vor allem Fragen der Haushaltspolitik.
Weiterhin
wurde darauf verwiesen, dass im Zuge der Privatisierung von öffentlichen
Leistungen in der Verwaltung Professionalisierungs- und Konzentrationsprozesse
ausgelöst hat, die ihrerseits Tendenzen zum Ausschluss der BürgerInnen aus der
Beteiligung befördern. Es wurde in diesem Zusammenhang von einer "Überlastung
der Demokratie" gesprochen. Die Möglichkeiten der Intervention ist auf
einem Niveau angesiedelt, auf dem die Beteiligung eigentlich keinen Sinn mehr
macht. Die Umsetzung von Forderungen der BürgerInnen ist in einem
privatisierten Umfeld nur noch in einem komplizierten juristischen Verfahren möglich.
Trotzdem
werden diesen Beiräten durchaus Potenziale eingeräumt: sie können dazu
beitragen, Prozesse der Anerkennung verschiedener Interessen verschiedener
Akteure, der Selbstorganisation öffentlicher Macht (in diesem Sinne also
Schaffung eines demokratischen öffentlichen Raumes) und schließlich der
Verhaltensänderung der verschiedenen Akteure einzuleiten. Die Voraussetzungen,
unter denen diese Potenziale wirklich entfaltet werden könnten, wurden auch
beschrieben: ein entsprechendes politisches Profil der Verwaltung, eine
entsprechende Bündnisfähigkeit der Akteure und das tatsächliche Vorhandensein
von Bündnissen sowie die Schaffung finanzieller Spielräume für die Beiräte.
Notwendig ist auch die weitere Qualifizierung der Mitglieder der Beiräte.
Ebenso ist die weitere Entwicklung
des politischen Umfeldes der Beiräte erforderlich, so etwa durch eine Erhöhung
des Organisationsgrades in den verschiedensten Formen gesellschaftlichen
Engagements. So zeigen die Untersuchungen, dass in Porto Alegre vor dem
Hintergrund der Erfahrungen mit dem Orcamento Participativo und anderer Formen
der BürgerInnenbeteiligung ein viel höheres Engagement über alle Bevölkerungsgruppen
hinweg in den Beiräten zu verzeichnen ist als in anderen Städten.
Die
Nutzung der Potenziale hängt also in erheblichem Maße von der politischen
Aktivierung der Bevölkerung ab. Das muss, so eine weitere Konsequenz, verbunden
sein mit einer harmonischen, abgestimmten Entwicklung aller existierenden
basisdemokratischen Strukturen. In Recife und Rio wird z.B. daran gearbeitet,
den Prozess des OP mit der Arbeit der sozialen Observatorien zu verbinden und
damit wiederum Einfluss auf Qualität und Wirksamkeit der Beiräte zu nehmen.
Das stellt neue Anforderungen an die Akteure, die mehr Mitwirkung und
Mitentscheidung tatsächlich wollen - an Parteien, Gewerkschaften und NGO. Ihre
Ressourcen sind, so zeigten die Untersuchungen, wichtige Bildungs-,
Informations- und Artikulationsinstrumente für diejenigen, die in Beiräten
mitarbeiten.
Dabei
erweist sich, wie schon erwähnt, als eine wichtige Frage die nach der
Verbindung verschiedener parallel entstandener Formen direkter Demokratie und BürberInnenbeteiligung.
Diese Frage stellt sich vor allem in Porto Alegre, einer Region mit einer
starken Tradition kommunaler Selbstverwaltung. Bereits in den siebziger Jahren
wirkten hier sog. Volksräte und Verwaltungen zusammen. Es wurden bereits in
dieser Zeit viele Erfahrungen der Kooperation von BürgerInneninitiativen
gesammelt. Im Jahr 1985 wurden diese Räte offiziell als "parallele
Macht" anerkannt. Die Einführung des OP im Jahr 1989 war mit einer
Ersetzung dieser Räte durch die Organe des OP verbunden. Weitere Schritte waren
die Schaffung Regionaler Entwicklungsräte (1991),die vor allem bei der
Erarbeitung längerfristiger Entwicklungspläne eine Rolle spielten, die Einführung
von "Consulta popular" ("Volkskonsultationen") zur
Vorbereitung von Investitionsentscheidungen (1998) und schließlich die Einführung
des OP auf Bundesstaatsebene im Jahr 1999. Letzteres wurde vor allem mit den
consultas vorbereitet. Damit stellen sich vor allem hinsichtlich der
Weiterentwicklung der Verwaltung, der Kooperation zwischen den einzelnen
Kommunen und hinsichtlich der finanziellen Untersetzung der Ergebnisse der
Beteiligungsprozesse neue Fragen.
Die VeranstalterInnen schätzen das Seminar als sehr erfolgreich ein. Es legte eine wichtige Grundlage für die Bestimmung der weiteren Schritte in der Forschung und in der Umsetzung der Arbeitsergebnisse in politische Praxis. Besonders hervorgehoben wurde, dass MitarbeiterInnen aus den kommunalen Verwaltungen teilnahmen und sich mit der Arbeit der "sozialen Observatorien" und den diskutierten Lösungsansätzen in einer gemeinsamen Erklärung solidarisierten.
Für den
Beobachter war interessant, wie sehr sich doch eine große Zahl von Problemen in
Brasilien und in Europa ähneln. So bot das Seminar auch für den
interkontinentalen Austausch viele Anregungen.
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Auf folgenden Sites werden Arbeitsergebnisse des Netzwerkes publiziert - allerdings nur in portugiesischer Sprache:
http://www.ippur.ufrj.br/observatorio
http://www.fase.org.br