Generationengerechtigtkeit

  Gerechtigkeit oder Barbarei – diese Alternative stellt sich bei der Betrachtung der Debatten um die Zukunft der Alterssicherung tatsächlich als eine aktuelle Frage. In der Haltung zur „Generationengerechtigkeit“ verbirgt sich nicht selten eine außerordentliche Brutalität, die man bei einem solchen sensiblen Thema nicht vermuten sollte.

 Ich stelle die These auf:

Generationsgerechtigkeit / Gerechtigkeit zwischen den Generationen bedeutet, dass Verhältnisse existieren, in denen jede Altersgruppe gleichermaßen ein Recht auf selbstbestimmtes Leben realisieren kann. Generationszugehörigkeit wird nicht als Argument für besondere Privilegien verstanden, aber immer als Verpflichtung, anderen Generationen o.g. Recht einzuräumen und an seiner Realisierung mitzuwirken. Die Forderung nach Generationengerechtigkeit stellt damit die Grundfrage nach der Gestaltung der Verteilungsverhältnisse in ihrer Gesamtheit und ist außerhalb dessen nicht sinnvoll zu diskutieren. Und genau dies tut die gegenwärtige Diskussion – genau genommen wird das Problem der Generationengerechtigkeit ausschließlich als Problem unter den Lohnabhängigen behandelt.

Generationengerechtigkeit ist damit aber auch nicht primär aus der Problematik der Finanzierung der Rentenversicherung her diskutierbar, weil damit a priori die PartnerInnen des Gerechtigkeitsverhältnis auf die ökonomisch und politische Schwächeren reduziert werden.

 Dabei werden eine Reihe von Fiktionen herangezogen

„Die Alten“ sind reich. (Erbschaftsdebatte)

Die Belastungsgrenze der Wirtschaft sei erreicht

Es besteht ein „Generationsinteresse“ (wird zu einem großen Teil an Ähnlichkeiten im Verhalten und in der Konsumtion festgemacht)

 Rentenversicherung bzw. andere Systeme der Alterssicherung las Ausdruck der zunehmenden Vergesellschaftung betrachten – das innerfamiliäre oder innergemeinschaftliche Kalkül (letzteres im Bergbau deutlich) wird durch eine entweder solidarisch oder kommerziell, aber auf jeden Fall kleingemeinschaftsunabhängig und gesellschaftlich organisiert, da die kleinräumige Sicherung nicht mehr den Erfordernissen der Zeit / der Reproduktion der Gesellschaft / entspricht. Das Modell Generationengerechtigkeit, wie es aber in der Propaganda benutzt wird entspricht letztlich dem Alt-Schema. Die benutzten Bilder unterstellen die Möglichkeit eines direkten Austausches zwischen Generationen, der sich in den Kategorien des Marktes (Äquivalenz) fassen ließe.

 Weiterer Kollisionspunkt: Rente als Lohn für Lebensarbeitsleistung – ist das mit dem Gerechtigkeitsprinzip zu vereinbaren

 Das Argument, dass „die Jugend“ hedonistisch sei, ist kein Argument für Systemwechsel, da dieser diese Tendenz verstärkt