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Open Space Technology

Was ist Open Space Technology?

Der amerikanische Organisationsentwickler Harrison Owen hat Mitte der achtziger Jahre, wie er selbst sagt, Open Space `entdeckt´, nicht `erfunden´. Er machte die Beobachtung, „dass die interessantesten und beflügelndsten Gespräche und Ergebnisse in den Kaffeepausen zustande kamen. Den ganzen Rest der Konferenz hätte man sich sparen können – und das ist keine Übertreibung.“ (Owen 2003, S. 51)

Die Atmosphäre einer Open-Space-Veranstaltung ist die einer großen Pause: Menschen sprechen über Anliegen, die ihnen wichtig sind und Bedeutung für sie haben. Die Gespräche haben keine festgelegte Gesprächsleitung und die Zusammensetzung der Gruppen, die Arbeitsweisen und Dauer sind den Teilnehmern überlassen. Dieser Rahmen führt zur Freisetzung von Kreativität, oft zu unerwarteten Lösungen und Auswegen aus verfahrenen Situationen. Open Space hinterfragt, wie Menschen miteinander kommunizieren, lernen und arbeiten. Hierarchien und Herkünfte der einzelnen Teilnehmer spielen für die Möglichkeiten, die das Verfahren dem einzelnen anbietet, keine Rolle. Open Space ist geprägt von umfangreichem Kontakteknüpfen und Vernetzung. Die Begegnungen finden auf sehr persönliche Art von Mensch zu Mensch statt. Deshalb ist für Harrison Owen Open Space eine Form des „Friedensstiftens“. Open Space setzt auf Empowerment, Selbstverantwortung und Selbstorganisation und kann so zu persönlichen und systemischen Transformationen führen. Das Verfahren besitzt eine hohe Effektivität: In kurzer Zeit werden bei wenig Aufwand viele Ergebnisse produziert.

Wie läuft eine Open-Space-Veranstaltung ab?

Open-Space-Veranstaltungen sind bereits mit Teilnehmerzahlen von 20 bis 2000 durchgeführt worden. Sie dauern in der Regel zwischen ein bis drei Tagen. Zu den Voraussetzungen, unter denen eine Open-Space-Veranstaltung passend ist, zählen (Töpfer 2002):

-          Die Aufgabenstellung ist komplex und tendenziell konfliktträchtig.

-          Die Lösung unbekannt.

-          Das Thema brennt allen unter den Nägeln.

-          Die Gruppe ist ein Spiegel des ganzen Systems.

Zu Beginn der Veranstaltung gibt es keine Tagesordnung. In den ersten 1½ Stunden sind möglichst alle Teilnehmenden anwesend und es entsteht die gesamte Arbeits- und Zeitplanung. Am Anfang sitzen alle in einem Kreis, bei mehr als 50 Teilnehmenden in konzentrischen Kreisen. Nach einer knappen Einführung in die Grundsätze haben alle Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Anliegen zu nennen. Etwas, das auf den Nägeln brennt, am Herzen liegt, wofür Bereitschaft besteht, Verantwortung zu übernehmen und an dem mit anderen gearbeitet werden soll. Diese Anliegen werden für alle sichtbar an die Wand gehängt. Dann tragen sich alle bei den Themen ein, bei denen sie mitmachen wollen. Das ist der „Marktplatz“. Danach beginnen die Gruppen, selbstorganisiert zu arbeiten. Sie teilen sich ihre Arbeitszeit und Pausen in dem vorgegebenen Rahmen selbst ein. Jede Gruppe fasst ihre Ergebnisse, Empfehlungen und Verabredungen selbst zusammen und veröffentlicht diese für alle anderen an der „Nachrichtenwand“. (Pannwitz 1999)

Zum Abschluss der Kleingruppenphase erhalten in der Regel alle Teilnehmenden die Kopien aller Protokolle. Die letzte Phase ist die Handlungsplanung. Hier werden konkrete Vorhaben und nächste Arbeitsschritte vorgestellt sowie Arbeitsweisen und Kooperationen verabredet.

Können sich Teilnehmer für eine Open-Space-Konferenz nicht persönlich treffen, besteht die Möglichkeit, die Konferenz online mit Hilfe des Internets durchzuführen (vgl. openspace-online.com).

Was sind die (neuen) konzeptionellen Hintergründe?

Urformen menschlicher Kommunikation

Owen bezieht sich mit dem Open-Space-Verfahren auf Urformen menschlicher Kommunikation, die er u. a. in Dörfern in Afrika und bei indigenen Kulturen Amerikas beobachtet hatte. Die wichtigsten Elemente sind:

„Der Kreis – Bedeutendes findet im Kreis statt. Im Kreis gibt es kein Oben und Unten, kein Wir und Sie.

Das Atmen – wenn wir ‚außer Atem‘ sind, läuft nicht viel. Wir müssen erst wieder ‚Tritt fassen‘, damit sich Zusammenarbeit und Lernen entfalten können.

Das ‚Schwarze Brett‘ – damit teilen sich Menschen gegenseitig ihre Interessen mit.

Der Marktplatz – hier wählen wir zwischen Angeboten und können einen Handel zum gegenseitigen Nutzen eingehen.“ (Töpfer 2002)

Erklärungsmuster aus der „Chaosforschung“

„Als ich 1985 das Open-Space-Verfahren entwarf, hatte ich nicht die geringste Ahnung, was ich tat. Es war keine sorgfältig ausgearbeitete Methode, sondern entstand intuitiv.“ (Owen 2003, S. 51)

Später fand Owen bei der Beschäftigung mit der „Chaosforschung“ Erklärungen dafür, warum Open Space Technology funktioniert. Er bezieht sich dabei auf die Beschreibung der Welt in `Komplexen Adaptiven Systemen´. `Komplex´ bedeutet dabei, dass das System aus vielen verschiedenartigen Teilen zusammengesetzt ist, die in unterschiedlichen Beziehungen zueinander stehen. Mit `Adaptiv´ ist gemeint, dass das System ständig „lernt“ und immer neue und effektivere Möglichkeiten findet, sich internen wie externen Anforderungen anzupassen. Die Naturwissenschaft nennt diese Prozesse `Selbstorganisation´. Owen stellt fest, dass er dieselben Phänomene, die die „Chaosforscher“ beschreiben, bei jeder Open-Space-Veranstaltungen beobachten kann.

Das Konzept von Open Space Technology besagt, dass der `Begleiter´ (nicht `Moderator´) den Raum hält, damit Selbstorganisation stattfinden kann. Er führt zu Beginn einer Veranstaltung in das Verfahren ein. Ansonsten liegt seine Bedeutung sehr viel mehr im Hintergrund als in aktiver Moderation. Die Teilnehmenden sind die Experten für ihre Themen und entscheiden selbst, in welcher Form sie daran arbeiten wollen. `Empowerment´ ist ein zentrales Merkmal von Open Space.

Innerhalb des Verfahrens sind keine Hierarchie und keine Kontrolle vorgesehen, beides wirkt kontraproduktiv für Selbstorganisation. In der Praxis besteht die größte Herausforderung oft darin, dass einzelne Personen (i. d. R. Personen, die in den sonst üblichen Hierarchien oben stehen) versuchen, den Prozess zu kontrollieren.

Open Source

Alles Wissen und Material über Open Space Technology ist im Internet oder über Literatur frei zugänglich. Der Begriff ist bewusst nicht urheberrechtlich geschützt. Open-Space-Trainings im Non-profit-Bereich werden teilweise sehr kostengünstig angeboten. Open Space soll sich möglichst weit verbreiten. Die idealistische Seite bei Harrison Owen ist die des „Friedensstiftens“ mit Open Space. Die praktische Seite liegt in der Qualitätssicherung und Weiterentwicklung des Verfahrens über das „Open Source“-Prinzip – ähnlich wie beim Computer-Betriebssystem „Linux“. Tatsächlich findet über nationale und internationale Email-Listen und -Foren sowie jährliche Treffen ein weltweiter und kontinuierlicher Austausch unter Open-Space-Praktikern statt.