zurück zu "Neue Formen"


Appreciative Inquiry

Was ist Appreciative Inquiry?

Appreciative Inquiry (`Wertschätzendes Erkunden´ oder auch `Wertschätzende Befragung´) wurde Ende der 80er Jahre von Dr. David Cooperrider und Suresh Srivastva „entdeckt“. Appreciative Inquiry (AI) arbeitet mit der konstruktiven Umwandlung des Blicks. Mit der Methode kann wertschätzend auf Organisationen und Gesellschaften geschaut werden, so dass auf dieser Grundlage Verbesserungsmöglichkeiten entdeckt werden können. Anstatt problemorientiert nach Defiziten zu suchen, fragt AI lösungsorientiert nach dem Erfolgreichen und begreift es als wesentliche Ressource für zukünftiges Handeln.

„Stellen Sie sich eine Gruppe von Bürgern einer Stadt vor, die zusammenkommt, um ihre Zukunft zu gestalten. In den ersten Stunden tauschen die Menschen in Zweier-Interviews ihre wertvollsten Erlebnisse aus, die sie mit ihrer Stadt verbin­den. In Wertschätzenden Interviews stellen sie sich gegenseitig Fragen, wie z. B.: »Erzählen Sie mir bitte von einem persönlichen Erlebnis, das Sie so sehr mit Ihrer Stadt verbindet, dass Sie froh sind hier zu leben oder zu arbeiten. Was hat dies wirk­lich ermöglicht? Was können wir daraus lernen?«.

Diese sorgfältig vorbereiteten Fragen helfen die persönlichen »Schätze« – sowie die besonderen Qualitäten, die in dieser Stadt schlummern – aufzudecken. Dadurch entsteht eine fundamentale Veränderung der Wahrnehmung hin zum Wertvollen. Alle Beteiligten erlangen so ein tieferes Verständnis für ihre Stadt. Aus diesen individuellen Erlebnissen heraus entwickeln die Bürger neue Ideen und gestalten eine kraftvolle konkrete Vision. Beim Verwirklichen stellen sie sich die Frage: »Wie setzen wir unsere Vision in die Tat um und womit nähren wir unsere Kraft und Motivation?«“ (Bruck 2003)

Wie läuft eine AI-Veranstaltung ab?

Kernstück der Methode ist das am Beginn stehende AI-Interview, in dem die positiven Erfahrungen der Teilnehmenden lebendig gemacht werden. Der ganze Prozess umfasst folgende vier Phasen:

-    Discovery (Erkunden) – Das Beste Entdecken / sucht das, was uns stärkt und Energie schenkt (durch Interviews)

-    Dream (Visionieren) – Träumen, was möglich ist / Zukunftsszenarien entwickeln

-    Design (Gestalten) – Entwerfen, was sein könnte / Mögliche Maßnahmen und Projektideen formulieren

-    Delivery (Handlungen planen) – Verwirklichen, wie man dorthin kommt / Schritte zur Umsetzung verabreden.

Was sind die (neuen) konzeptionellen Hintergründe?

AI beruft sich auf einige Prinzipien, die wir hier darstellen:

-    Antizipatorisches Prinzip: Worauf wir unsre Aufmerksamkeit richten, das wird verstärkt.

-    Poetisches Prinzip: Zwischenmenschliche Beziehungen werden geformt durch eine Sammlung von Geschichten, die ständig neu erschaffen und weitererzählt werden. Die kraftvollsten Geschichten schließen die Vergangenheit, die Gegenwart und die angestrebte Zukunft ein.

-    Positivitätsprinzip: Menschen folgen eher den positiven Erfahrungen, die ihnen Energie geben und sie anregen, als negativen Erfahrungen. Jeder Wunsch nach Veränderung, der langfristigen Einfluss haben soll, muss auf einem positiven Bild basieren, das positive Erfahrungen für die Menschen schafft.

-    Gleichzeitigkeit: Wir konstruieren uns unsere Welt durch die Art, in der wir auf sie blicken. Die Fragen, die wir uns stellen, rufen das Abbild der Welt hervor, die uns diese Fragen hat stellen lassen; und dadurch verfestigt sich das Bild der Welt zu einer echten Realität, die unsere Art zu denken leitet.

-    Story-telling: Es können viele verschiedene Geschichten über ein und denselben Anlass erzählt werden. In Anbetracht des Prinzips der Gleichzeitigkeit führen die Geschichten, die wir über uns selbst und andere erzählen, und die Fragen, die wir stellen, zu den Bildern, die wir schaffen und dem Leben, das wir leben.

-    Sonnenblumeneffekt: Sonnenblumen erhalten ihr pflanzliches Wohlergehen dadurch, dass sie sich nach der Sonne ausrichten, die ihnen lebensspendende Energie gibt. Menschen, als komplexere Organismen, können ebenfalls dem folgen, was ihnen Lebenskraft gibt.

Was sind die theoretischen Ansätze?

AI bezieht sich in seinen theoretischen Grundlagen stark auf Konstruktivismus und Konstruktionismus. Diese Theorien beinhalten die Ansicht, dass die Welt nicht „ist, wie sie ist“, sondern „so ist, wie jeder einzelne sie betrachtet“. Darin sieht AI den Hebel, um zu Veränderung anzusetzen, indem es Aufmerksamkeit und Denken in eine positive Richtung lenkt. Die allgemeine Tendenz, die sich hinter der Konzeption des Verfahrens verbirgt, ist die Haltung, dass die Gesellschaft viel weitgehender veränderbar ist, als allgemein angenommen wird.