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Gerade in Zeiten der Wahlen versuchen sich die Parteien auf diesem Gebiet
zu profilieren und sich von den anderen abzuheben.
Am 11. November wurde erstmals nach der
Wende ein Bürgerentscheid in Zwickau durchgeführt.
Gegenstand
: Der beabsichtigte Verkauf des Städtischen
Klinikums „Heinrich Braun“ durch die Stadtverwaltung Zwickau!
Grund : Sanierung
der Kommunalfinanzen durch den Verkaufserlös!
Vorweggenommen: Die wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger der Stadt
Zwickau haben sich mit 43,9
% beteiligt und mit 81,1
% ein eindeutiges Votum für
den Erhalt der kommunalen Trägerschaft des Klinikums abgelegt! Die Privatisierungsförderer behaupten
a priori, dass privatwirtschaftlich geführte Unternehmen höhere
Wirtschaftlichkeit und Qualität erbringen würden. Wir haben dieses Argument in
den Tagen vor dem Bürgerentscheid sehr häufig von ihnen gehört. Aber gerade die Entwicklung des Städtischen
Klinikums in den letzten Jahren straft die Privatisierer der Lüge. Auch die
gute wirtschaftliche Lage der beiden Krankenhäuser in Trägerschaft des
Landkreises Zwickauer Land, die als Eigenbetriebe funktionieren, zeigen, dass
kommunale Unternehmen durchaus wettbewerbsfähig sind und damit wirtschaftlich
geführt werden können. Entscheidend ist also nicht die Trägerschaft
und Betreiberform, sondern wie effizient das Management ist. Wenn also das
Management stimmt und das Unternehmen effektiv arbeitet, steht also die Frage
WARUM? Warum wollte man dann ein effizientes
Unternehmen loswerden? Warum wollte man keine Gewinne mehr erzielen, die zu
Investitionen genutzt werden können? Warum wollte man dann auf Gedeih und
Verderb privatisieren? Das waren sicher auch Fragen, die sich die Bürgerinnen und Bürger gestellt haben. Eine Privatisierung des Städtischen Klinikums hätte
für die Stadt Zwickau vermutlich einige Millionen Euro gebracht. Wenn es denn
überhaupt einige geworden wären, denn nebenbei gesagt, wer in die Situation
kommt, Vermögen veräußern zu müssen, hat als Verkäufer in der
Marktwirtschaft schon verloren. Nehmen wir einmal an: Es hätte eine Entscheidung
pro Verkauf gegeben. Mit dem Verkaufserlös hätten die Verantwortlichen an der
Stadtspitze von CDU und SPD damit kurzfristig die angespannte Finanzlage der
Stadt entspannen können. Was aber wäre der Stadt verloren gegangen? Mit der Privatisierung des Klinikums hätte Zwickau
unwiederbringlich nicht nur einen enormen Vermögenswert verloren, sondern auch
Gestaltungsräume im Gesundheitswesen, denn das Klinikum mit dem Auftrag der
Schwerpunktversorgung kann für die gesamte Region zu einem bestimmenden
Gesundheitszentrum ausgebaut und entwickelt werden. Das haben die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem
klaren Votum für die kommunale Trägerschaft des Krankenhauses befürwortet. Es
ist nicht nur die Verbundenheit der Zwickauerinnen und Zwickauer mit ihrem
Krankenhaus, sondern auch Ausdruck des Willens der Bürger kommunales Eigentum
zu erhalten. Es hat sich auch gezeigt, dass es sich für uns als
PDS lohnt, in Verbindung mit Bürgerinitiativen und der massiven Unterstürzung
der Basis bürgernahe Politik durchzusetzen. Für ein florierendes Unternehmen wird es
vermutlich immer genügend Interessenten geben. Davon sind vermutlich die Stadthäupter
in Zwickau ausgegangen. Nur bezüglich ihrer Gewinnsumme werden sie sich wohl
ins eigene Fleisch verkalkuliert haben. Denn eines ist klar, potenzielle Käufer
eines derartig großen Krankenhausunternehmens, wie HELIOS, Rhön oder
Paracelsus werden sich im Bieten nicht hochtreiben. Das haben zumindest die
Verkaufsergebnisse und Entwicklungszahlen im Osten Deutschlands in diesem
Bereich gezeigt. So schätzte der Hauptgeschäftsführer der HELIOS
Kliniken GmbH, nebenbei das Krankenhaus in Aue gehört dazu, die Entwicklung für
das Jahr 2001 als durchweg positiv ein. Der Umsatz des Konzerns konnte um 33
Prozent auf 563 Mio € erhöht werden. Für 2002 liegen die Umsatzprognosen bei 665 Mio € ohne das weitere Kliniken
hinzukommen. Auch der börsennotierte Klinikbetreiber Rhön-Klinikum
AG konnte Umsatz und Gewinn im letzten Jahr steigern. Der Umsatz stieg um 4,2 %
auf 697 Mio € und der Gewinn um 6,8 % auf 66 Mio €. Jeder fünfte Euro kam
dabei aus Sachsen. Allein das Herzzentrum Leipzig warf einen Gewinn 14,8 Mio €
ab. Für den Kauf ostdeutscher Krankenhäusern von den Krankenhauskonzerne
weniger als 1 Prozent des Umsatzes aufgewandt. Schon an diese Zahlen kann jeder unschwer erkennen,
dass beabsichtigte Privatisierung natürlich die Begehrlichkeiten solcher
Unternehmen wecken würde und wird. Die Schlacht auf dem Gesundheitsmarkt ist schon
lange im Gange und die Privatisierung und damit die Verhökerung von Volksvermögen
spielt eine bedeutende Rolle. Der Gesundheitsbereich ist einer der wenigen
Bereiche, der über Jahre hinweg kontinuierliche Zuwachsraten hatte und auch
weiterhin haben wird. Bei aller Diskussion um die Gesundheitsreform, der
Reduzierung von Krankenhausbetten und damit
von Krankenhäusern und der Einführung neuer Abrechnungssysteme wird der
Bereich Krankenhauswesen auch in Zukunft der profitabelste bleiben. Deshalb soll
und das es in diesem Bereich keine weiteren Privatisierungen geben. Für uns als PDS ist gerade das Gesundheitswesen
ein Feld, wo im besonderen Maße die Daseinsfürsorge als Staatsziel umgesetzt
werden muss. Jeder in unserer Gesellschaft, ob jung oder alt, hat auf Dauer
einen Anspruch auf gesundheitliche Versorgung und muss im Bedarfsfall das
medizinisch Notwendige und Sinnvolle erhalten. Gerade im Bereich der Krankenhäuser, für die z.
B. in Sachsen ca. 40 % der Ausgaben der Krankenkassen aufgewandt werden, wird
also maßgeblich diese Daseinsfürsorge umgesetzt. Darauf auch politisch
Einfluss zu haben, das ist eine gesundheitspolitische Grundprämisse der PDS, In
den Krankenhäusern, die sich in kommunaler Trägerschaft befinden, sehen wir
einen wichtigen Faktor eines solidarisch funktionierenden Gesundheitswesens. Wir als PDS ob als Stadtratsfraktion, Stadtverband
oder Kreisorganisation haben daher die Initiatoren der Bürgerinitiative mit all
unseren Möglichkeiten unterstützt. Der Ausgang des Bürgerentscheides in Zwickau
sollte uns bestärken auch in Zukunft, Themen aufzugreifen, die die Bürger berühren
und ansprechen. Dann steht der Bürger auch hinter uns. Es spricht zwar keiner
darüber, aber jeder weis, dass der Erfolg des Bürgerentscheides maßgeblich
vom Engagement der PDS und ihrer Mitglieder in Zwickau getragen wurde. Das
sollte uns Anlass sein, auch in Zukunft gelebte Demokratie mit den Bürgerinnen und Bürgern zu praktizieren. Im
Falle Zwickau haben uns das die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Votum für
den Erhalt kommunalen Eigentums gedankt. Wir können die anderen zur Nachahmung
des Beispieles Zwickauer Bürgerentscheides pro kommunales Krankenhaus
auffordern!
Jürgen Dürrschmidt, MdL Sachsen aus: pv1. Informationen der PDS-Fraktion im Sächsischen
Landtag 11-12/2002 S.12f.
Die kontrovers geführte Debatte nicht nur unter Schröder, sondern
bereits schon unter Kohl hat bisher noch zu keinem überzeugenden Konzept für
die Reformierung des Gesundheitswesens geführt. Einzig die Verunsicherung
der Versicherten und der Patienten ist das Ergebnis.