Regionalpolitik und -förderung müssen
sich mit dem Problem auseinandersetzen, dass zwar das Krisenbewusstsein in den
Regionen deutlich ausgeprägt ist, die Akzeptanz von Lösungsansätzen zur
Krisenbewältigung gleichzeitig jedoch oft gering ist. Insbesondere öffentliche
Förderung muss sich mit Misstrauen und Vorbehalten auseinandersetzen.
Nichtmonetäre Formen der Förderung, wie Moderation von Diskussions- und
Problemlösungsprozessen wird oft gar nicht als sinnhafte Form der Förderung
verstanden oder überhaupt mit öffentlicher Förderung in Verbindung gebracht.
Verweise auf die Notwendigkeit der Erschließung von regionalen Potentialen stößt
in nicht wenigen Fällen auf Unverständnis und Ablehnung oder wird einseitig
als Verweis auf die Schaffung von Arbeitsplätzen durch externe Investoren
verstanden.
Resultat ist ein weitgehendes
Misstrauen und Unverständnis gegenüber der Arbeitsmarktpolitik insgesamt, und
gegenüber einer auf nachhaltige Beschäftigungsentwicklung orientierten
Arbeitsmarktpolitik.
Eine
wichtige Ursache dieser Situation ist, dass die Vorhaben selbst nicht von
vornherein akzeptanzorientiert konzipiert werden, sondern Überlegungen zur
Akzeptanz auf eng begrenzte pragmatische bzw. oft vereinfachte Marketing-Aspekte
beschränkt bleiben.
Ein Blick auf vorliegende
Untersuchungen zeigt, dass das Akzeptanz-Problem oft nur als Informations- oder
Kommunikationsdefizit betrachtet wird. Akzeptanz wird dabei als ein durch
relativ einfache (statische) Rezeptionsprozesse vermittelter Vorgang betrachtet:
A besitzt ein bestimmtes Wissen (Informationen), mit dem sie B versorgt, wodurch
dann B in die Lage versetzt wird, das Handeln von A zu verstehen und aus diesem
Verstehen heraus zu bejahen.
Es ist zu diskutieren, inwieweit
diese Sichtweise berechtigt ist oder inwieweit dieser weitgehend statische Blick
nicht eine Reihe von Potenzen breit und öffentlich bewußt akzeptierter
Prozesse im Bereich der Beschäftigungspolitik entgehen.
Unstrittig dürfte sein, dass für die meisten gesellschaftlichen Akteure das Verhalten zu diesen oder jenen Formen von Arbeitsmarktpolitik als solche zunächst einmal eine Frage der ideologischen Grundorientierung ist. Es kann dabei in durchaus nicht seltenen Fällen vorkommen, dass diese andere Interessenlagen der Akteure überdeckt. (hier nicht Gegenstand)
Der in der Öffentlichkeit verwandte Begriff
„Arbeitsmarktpolitik“ ist also ein Stereotyp, das in Abhängigkeit von diesen
Grundüberzeugungen geprägt ist und eine entsprechende spontane Reaktionsweise
auslöst. Gleiches gilt für die einzelnen zum Einsatz kommenden Instrumente,
wie ABM, SAM, Hilfe zur Arbeit, LKZ usw. Der wirtschaftliche und mehr
noch der tatsächliche regionalpolitische Gehalt dessen, was als
Arbeitsmarktpolitik betrachtet wird, bleibt in dieser ersten Reaktion der
Akteure meist weitgehend noch ohne Interesse.
Erst eine weitergehende Betrachtung
enthüllt den tatsächlich aktiven Charakter von Akzeptanz. Die
stereotypdeterminierten Verhaltensweisen sind immer nur die ersten, spontanen
Reaktionen auf Angebote. Die angesprochenen Akteure unterziehen immer in Folge
die Angebote einer interessendeterminierten Bewertung und einer
bedingungsdeterminierten Bewertung. Beide Bewertungsprozesse gehen mehr in die
Tiefe und schließen neben kurz- auch langfristige Optionen ein. Die Angebote
werden dabei hinsichtlich ihrer Wirkungen auf die eigene Stellung im
gesellschaftlichen, regionalen, lokalen und sozialen Gesamtkontext und
hinsichtlich der Realisierbarkeit unter Berücksichtigung von politischen und
wirtschaftlichen Kräfteverhältnissen, von Ressourcenallokationen und weiteren
Faktoren abgewogen.
Um sich dem Problem nähern zu können,
muss an erster Stelle die Frage nach dem Inhalt von Akzeptanz beantwortet
werden, Erschöpft sich der Inhalt dieses Begriffes in „Zustimmung“, ist
Akzeptanz in diesem Sinne eine passive Verhaltensweise? Oder geht der Inhalt über
das „Zustimmen“ hinaus und schließt bestimmte Verhaltensweisen,
Handlungsoptionen, Differenzierungen ein?
Im allgemeinen wird im Rahmen der
betriebs- und volkswirtschaftlichen Betrachtungen die Frage der Akzeptanz,
soweit sie in dieser Weise überhaupt gestellt wird, mit individuellen
Rentabilitäts- bzw. Vorteilserwägungen und -erwartungen in Verbindung
gebracht. Dies ist in gewisser Hinsicht richtig, erschöpft die Frage aber
keineswegs. Die Fixierung dieser Lehrgebäude auf das Erklären von
Marktverhalten aus einem zudem recht beschränkten Kreis von Parametern ist bei
der Untersuchung von Phänomenen wie dem der Akzeptanz wenig hilfreich. Hier
sind Akteure maßgeblich, die nicht nur oder nur bedingt am Markt agieren oder
die auf anderen Märkten agieren, aber trotzdem in ihrem Verhalten Akzeptanz
oder Nicht-Akzeptanz von Arbeitsmarktpolitik wesentlich bestimmen. Dabei müssen
sachgerecht wiederum nicht nur kurzfristige, sondern vor allem die längerfristigen
Interessen von Akteuren der Arbeitsmarktpolitik im Mittelpunkt stehen.
Arbeitsmarktpolitik wird insoweit hier als ein strategisches Element von
Regionalpolitik generell, aber auch von Unternehmensphilosophien (seien es
klassische privatwirtschaftliche oder gemeinwohlorientierte Unternehmen)
begriffen. Von hervorragender Bedeutung ist dabei die regionale Verankerung
dieser verschiedenartigen Akteure. Dem wird oft entgegengehalten, dass aktive
Arbeitsmarktpolitik unter dem Druck der Globalisierung zunehmend unmöglich
werde, als Investorenbremse wirke u.dergl. Auch hier wird in Bezug auf Akzeptanz
mit Stereotypen hantiert, die nur bedingt zutreffend sind: Unter den Bedingungen
der weiteren Globalisierung von Wirtschaftsprozessen und Informationsströmen dürfte
das Verhalten von Unternehmen in einer Region von zunehmender Bedeutung für
Akzeptanz von Aktivitäten in anderen Regionen werden. Die schon jetzt relevante
Frage, wie sich die Nutzung des Internet durch regionale Akteure und deren damit
a priori gegebene weltweite Vernetzung auf die Akzeptanz von Unternehmensaktivitäten
auswirken kann bzw. bereits auswirkt, soll an dieser Stelle zwar nicht ausführlich
behandelt werden, sollte aber bei der Bewertung von Akzeptanzpotentialen längerfristig
einen wachsenden Stellenwert erhalten. Allerdings bleibt in jedem Fall richtig,
dass die Untersuchung von Akzeptanz nur in einem solchen strategischen und
globalen Zusammenhang Sinn hat, da es sich bei diesem Phänomen um ein diffizil
und langfristig wirkendes handelt.
Das bedeutet, dass nicht nur die
„Zustimmung“ zu diesen oder jenen arbeitsmarktpolitischen Interventionen
wichtig ist - notwendig ist ein bestimmtes Verhalten der Akteure, sind bestimmte
Handlungen bestimmter Akteure, ist ihre Fähigkeit, notwendige Handlungen und
Prozesse in Gang zu setzen, mit anderen Akteuren in diesem Prozess zu
kooperieren usw. Dabei ist als Spezifik des Inhaltes des hier zu betrachtenden
Akzeptanz-Problems die starke Einbindung dieser Frage in den Kontext von
Regionalentwicklung zu sehen. Gerade Erfolg oder Misserfolg von
arbeitsmarktpolitischen Interventionen bestimmen in hohem Maße die sozialen
Beziehungen in den betreffenden Regionen. Im Rahmen einer Analyse regionaler
Entwicklungen hebt Rosabeth Moss Kanter hervor: „Wären zum Aufbau wissensgestützter
Wachstumsunternehmen lediglich Forschungslaboratorien und staatliche Unterstützung
nötig, so hätten sicherlich bereits viele Orte Erfolgsgeschichte in der
Hochtechnologie geschrieben. Schließlich versuchen viele, des Erfolg der Route
128 und des Silicon Valley nachzuahmen, indem sie, oft auf Kosten der öffentlichen
Hand, eine ähnliche Kombination von Ressourcen herstellen und Forschungsparks
mit Universitäten verknüpfen. Aber ein Umfeld, das den Unternehmergeist fördert,
lebt auch von den freiwilligen sozialen Bindungen, von der Qualität und Quantität
der Beziehungen zwischen den Menschen und den Unternehmen einer Industrie. Diese
Bindungen und dieser Austausch regen nicht nur eine intensivere Innovation an,
sondern sorgen auch dafür, dass die Menschen die gesamte Gemeinde als einen
Schmelztiegel der Innovation betrachten, in dem aus etablierten Unternehmen neue
Unternehmenszweige entstehen..., in dem sich Dienstleistungsunternehmen zu
spezialisierten Zulieferern der Industrie entwickeln und in dem die Unternehmen
die Mitarbeiter voneinander übernehmen...“ (Kanter, Rosabeth Moss,
Weltklasse. Im globalen Wettbewerb lokal triumphieren, in: Ueberreuter , Wien
1996. S.264)
Wenn auch nicht offen
ausgesprochen, berührt Kanter hier auch die Frage der Akzeptanz - Akzeptanz
hier als ein gesellschaftliches Klima, als eine Grundhaltung, die nicht nur
Denken, sondern auch und vor allem Handeln bestimmt.
Es scheint daher gerechtfertigt,
die Akzeptanz von Arbeitsmarktpolitik in den folgenden Darlegungen auf
verschiedenen Ebenen zu betrachten:
- als Ausdruck der Anerkennung von
Zielen und Wegen eines potentiellen Partners und der Existenz von einander
entsprechenden Interessenfeldern
- als individuelle und
gruppenspezifische Bejahung der Möglichkeit der Einbeziehung aller (oder der
meisten) regionalen Akteure in die Konzipierung und Verwirklichung einer aktiven
Arbeitsmarktpolitik („abstrakte Akzeptanz“)
- als „Akzeptanz im Handeln“,
d.h. als Bereitschaft, die Umsetzung sehr verschiedenartiger
arbeitsplatzsichernder und arbeitsplatzschaffender Prozesse zu gestalten und
- als „Akzeptanzfähigkeit“,
also nicht nur die oftmals noch diffuse Bereitschaft, sondern auch die
inhaltliche und politische Fähigkeit (letzteres im Sinne der
Durchsetzungsfähigkeit), diese Prozesse zu gestalten.
Zwischen diesen drei Ebenen
bestehen keine linearen, sondern sehr dynamische und mitunter widersprüchliche
Beziehungen.
Akzeptanz, und dies sei als erste Bestimmung festgehalten, bedeutet
Anerkennung der Zweckmäßigkeit der Erlangung von Zugriff bzw. der Veränderung
der Zugriffsweise der Öffentlichkeit auf beschäftigungsrelevante
Entscheidungsprozesse in Verwaltungen und Unternehmen.
Diese erste Bestimmung zeigt,
dass bereits am Ausgangspunkt der Entwicklung von Strategien zum Akzeptanzgewinn
ein komplexes Spektrum von Widersprüchen gesetzt ist.
Die korrespondiert mit den damit
anzusprechenden akzeptanzrelevanten Grundfaktoren, wie:
- dem Charakter der Leistungen von
Arbeitsmarktpolitik sowie der Kreis der von diesen Leistungen betroffenen Bürger
- die Belegschaften und die
Gewerkschaften
- alle um sich die
Haushaltsentwicklung gruppierenden Subfaktoren
- die Freien Träger (einschl. ABS)
- potentielle Kooperationspartner
oder Konkurrenten in der privaten Wirtschaft
- der Öffentliche Dienst und
weitere Erbringer öffentlicher Leistungen (vor allem Arbeitsamt und dessen
Selbstverwaltung) sowie
- Beteiligungen/Eigenbetriebe der
Region/Kommune.
Aus der Sicht der
Durchsetzung einer bestimmten Qualität von Arbeitsmarktpolitik werden bei den
weiteren Betrachtungen vor allem folgende Fragen als im Hintergrund stehend Berücksichtigung
finden:
- welche Akteure haben in den zur
Entscheidung anstehenden Fragen die Meinungsführerschaft, wo sind zu finden und
auf welchen Grundlagen sind sie ansprechbar?
- wie werden welche Akteure in
welchem Maße auf die Realisierung von Vorhaben Einfluss nehmen können?
- wie kann erreicht werden, dass
die beteiligten Akteure im Zuge der Realisierung arbeitsmarktpolitischer
Interventionen entsprechend ihrer jeweiligen Spezifik an Schlagkraft und
Flexibilität gewinnen - trotz des notwendigen Eingehens auf Interessen der
Partner - und gleichzeitig ihre Bewegungsfähigkeit erhalten bleibt?
- wie kann eine hohe Motivation
auch bei den von arbeitsmarktpolitischen Interventionen nicht unmittelbar
betroffenen Akteuren und dem gesamten sozialen Umfeld erreicht werden, sich mit
Engagement in Veränderungsprozesse einzubringen, die nicht kurzfristige
Interessen bedienen?
Grundsätzlich betrachtet
ergeben sich bereits daraus aus der Sicht von Initiatoren
arbeitsmarktpolitischer Interventionen zwei Handlungslinien, die für sich
genommen jeweils die Frage nach der Akzeptanz von verschiedenen Wegen von
Arbeitsmarktpolitik auf unterschiedliche Art und Weise stellen.
Dabei seien hier zwei idealtypische
Linien zum Ausgangspunkt gewählt.
Die erste Linie besteht
darin, sich auf die sofort interessierten Akteure zu konzentrieren, ihre
Position zu stärken und den Widerstand der Gegner mit deren Hilfe zu brechen
oder ihn (wenn dies möglich ist) zu ignorieren. Diese Variante setzt somit
stark auf die „Macht des Faktischen“, kann aber unkalkulierbare Folgen
haben. So bleiben die Gründe, warum bestimmte Interventionsformen von den gewählten
Partner bejaht wird, oft weitgehend im Dunkeln. Es brauchen hier nicht nur
positive Gründe vorliegen, sondern auch Unkenntnis, Dilettantismus, oder
andere, mit individuellen Charakterzügen verbundene Motive (Geltungssucht,
Rache an politischen Gegnern oder Konkurrenten im Verwaltungsapparat usw.). Der
möglicherweise schnelle Erfolg kann hier langwierige Auseinandersetzungen nach
sich ziehen, die Anliegen und Ziel selbst diskreditieren wie auch die Beschäftigungswirksamkeit
sowie wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projektes durchaus in Frage stellen können.
Die zweite Linie besteht
darin, das Interesse an zielgerichteten arbeitsmarktpolitischen Interventionen
zu entwickeln, d.h. die Interessen der verschiedenen Akteure aufzuspüren, die
als Ansatzpunkt für die Gewinnung von Akzeptanz genutzt werden kann. Dabei sind
Befürworter wie auch die Gegner anvisierter Aktivitäten vom Grundsatz her
gleich zu behandeln. Dies schafft möglicherweise langfristig günstige
Rahmenbedingungen, erfordert aber in der Regel langdauernde und aufwendige
Arbeit in der Vorphase. Das Ansetzen an Interessen zieht die Problematik nach
sich, dass Handlungsstrategien grundsätzlich in Varianten/Szenarien diskutiert
werden müssen, um der Komplexität der Interessenlagen entsprechen zu können.
Die Entscheidung für die ein oder
die andere Grundlinie kann so durchaus weitreichende Folgen für die Entwicklung
aller beteiligter Akteure, wie auch der entsprechenden Region haben. Die
Akzeptanz des Privatisierungsprozesses kann so in Akzeptanz oder eben
Nichtakzeptanz von Personen, Programmen, Verwaltungen, Unternehmen, von
Produkten und Leistungen umschlagen und hat schließlich auch Folgen für die
innere Verfasstheit der beteiligten Akteure.
Insoweit ist eine Untersuchung von
Akzeptanzverhalten keine akademische Diskussion, sondern kann durchaus
praktische Bedeutung erlangen. Dabei geht es vor allem darum, dass die oft
intuitiv gewählten Handlungsvarianten begründbar somit in längerfristige
Entwicklungsstrategien einbindbar werden.
Akzeptanzgewinn für die eine oder andere Richtung arbeitsmarktpolitischer Intervention bedeutet so
-
Provokation und Verunsicherung
-
Umfassende Information
-
Vorurteilsfreies Bewusstmachen von Interessenkonstellationen
-
Vorurteilsfreies Bewusstmachen eigener und externer
Handlungsspielräume
-
Gewinnung oder Aufbau von Meinungsführern und Erlangung der
Meinungsführerschaft
-
Darstellung von sinnvollen kurzfristigen Handlungsmöglichkeiten
für alle Akteure
-
Vorantreiben eines Zukunftsdiskurses zur Ergründung
langfristiger Handlungsmöglichkeiten.
Auf dem Gebiet der
Arbeitsmarktpolitik ergibt sich dabei eine spezifische Problematik. Sie erfasst
auf der Ebene der unmittelbaren Adressaten, also der tatsächlich von
Arbeitslosigkeit betroffenen und der potentiell bedrohten sehr verschiedene
soziale Typen, mit unterschiedlicher gesellschaftspolitischer Artikulationsfähigkeit,
unterschiedlichem gesellschaftspolitischem Gewicht und unterschiedlichem
sozialen Prestige. Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen dürfte sich in
verschiedenen Regionen auf vom Profil her sehr verschiedene Gruppierungen
orientieren. Es zeigt sich zunehmend, dass die sog. arbeitsmarktpolitischen
Zielgruppen heraus zu einem „Dauerklientel“ der Arbeitsmarktpolitik werden,
während „leistungsfähigere“ entweder den Arbeitsmarktproblemen durch
Wanderung ausweichen oder sich in der Region in der Konkurrenz um Arbeitsplätze
durchsetzen. Unter dem Gesichtspunkt des Akzeptanzgewinns steht also die Frage,
wie diese Konkurrenzsituation unter der lohnabhängig tätigen Bevölkerung
aufzulösen ist.
Der zweite in diesem Zusammenhang
zu benennende Problemkreis ist bereits bedeutend weitgehender zum Gegenstand der
Auseinandersetzungen geworden – die Akzeptanz von arbeitsmarktpolitischen
Interventionen in Relation zu Maßnahmen der Wirtschaftsförderung. Das Verhältnis
von klassischen Privatunternehmen, Unternehmen, die als Träger von Beschäftigungsmaßnahmen
agieren und der Öffentlichen Hand ist bisher in Bezug auf die hier
interessierenden Fragen unentschieden und eher ideologisch, denn ökonomisch
fundiert.
Der dritte der hier relevanten
Fragestellungen umfasst die Konkurrenz der Träger beschäftigungspolitischer Maßnahmen
um Mittel der Beschäftigungsförderung.
Betrachtet man diese
Akteursgruppen, so bleibt als der kleinste gemeinsame Nenner ihres Handelns –
der regionale Bezug. Der erste Schritt des Akzeptanzgewinns ist die Problematisierung
der Situation in der Region.
Diese Problematisierung ist eine
unerlässliche Vorfeldmaßnahme; sie kann als Einzelaktion beginnen und sollte
provozierende Szenarien beinhalten, die die Unsicherheit der
Existenzbedingungen der verschiedenen Akteure/Akteursgruppen aussprechen. Die
Arbeit in Szenarien ist dabei vor allem unter folgenden Gesichtspunkten zu führen
-
Szenarien bieten die Möglichkeit, verschiedenen Interessen
Raum zu geben und sie gleichzeitig deutlich voneinander abzusetzen
-
Szenarien verbinden reale Prozesse mit den meist
unausgesprochenen Visionen der verschiedenen Akteure/Akteursgruppen
-
Szenarien brechen die im Alltag oft vermittelte Illusion der
Linearität und Eindimensionalität von Entwicklung.
Derartige Prozesse sind vor allem
im Zusammenhang mit Konzepten zu Initiativen im Bereich Lokale Agenda 21, aber
auch in einigen Fällen bei der Erarbeitung regionaler Entwicklungskonzeptionen
üblich. Sie münden in der Regel in Leitbildformulierungen, ein zunehmend
umstrittenes, trotzdem aus der Sicht der Mechanismen einer auf Akzeptanzgewinn
orientierten Politik unerlässliches Instrument. Von der Landesebene fehlt
bisher eine solche Anregung.
In unmittelbarer Verbindung mit der
Problematisierung der eigenen Situation steht der Einstieg in die Realisierung
einer Akzeptanzstrategie durch die Erfassung des Bedarfes. Eine
umfassende Förderung von Initiativen zur Sozial- und Armutsberichterstattung,
zur Gesundheitsberichterstattung [2]
etc. kann ein Netz an Informationen liefern, das besser als jede Statistik den
Bedarf an Leistungen, an Arbeitsplätzen und an Maßnahmen zur Gestaltung des ökologischen
und sozialen Umfeldes beschreiben kann. Die angeführte Verbindung von Handeln
(breiteste Beteiligung an der Erarbeitung von entsprechenden Berichten) und
Information (Aufnahme und Personalisierung von Fakten) ist ein wesentlicher
Baustein, um „abstrakte“ Akzeptanz zu festigen und Akzeptanzfähigkeit zu
entwickeln.
Auf der gleichen Ebene liegt die
entsprechende Erfassung eigener wirtschaftlicher Potenzen in der Region.
Die Zusammenführung beider Seiten
erlaubt es, Kriterien für die Beurteilung arbeitsmarktpolitischer
Interventionen und Anforderungen an ihre Konzipierung zu formulieren. Eine mögliche
akzeptanzorientierte Fragestellung wäre dann z.B. : Wer/Welches
Unternehmen/Welches Projekt ist in der Lage, welchen Bedarf auf effektivste
Weise zu befriedigen?
Diesen Kriterien müssen schließlich
die verfügbaren Instrumentarien gegenübergestellt werden, um wiederum die
Handlungsebene erreichen zu können.
[1] An dieser Stelle sollen die hinter diesen Herangehensweisen stehenden politischen und ideologischen Komponenten nicht diskutiert werden - die Sache hier soll auf einer simpleren Ebene angegangen werden.
[2] Dabei sind die hier genannten Initiativen nicht im Sinne einer Berichterstattung auf Verwaltungsebene zu verstehen, sondern als ein von den Bürgern selbst getragenes Projekt, wie dies z.B. in den entsprechenden Kriterien des VSOP vorgeschlagen wird.